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Sonntag, 13. Mai: 9.30 - 10.15 Uhr

 

Hinrich Bäsemann (digitaler Dia-Vortrag)

Mit dem Sterntaucher nördlich des Polarkreises

 

Hinrich Bäsemann, Jahrgang 1946, wurde auf der ostfriesischen Insel Juist geboren. Er fotografierte bereits seit seiner Kindheit, zuerst schwarz-weiß im Mittelformat, ab 1970 im Kleinbildformat und seit 2003 ausschließlich digital. Von Beginn an standen Naturaufnahmen im Mittelpunkt seiner fotografischen Tätigkeit. Nach einem naturwissenschaftlichen Studium an der Universität Hamburg, Spezialgebiet Eiszeit und marine Geologie, arbeitet der promovierte Naturwissenschaftler als Wissenschaftsjournalist. So beispielsweise als Herausgeber des Wissenschaftsdienstes für die Deutsche Presse-Agentur, Die Zeit und NDR-TV.

1993 ging er mit seiner Frau nach Tromsö in Nordnorwegen, fast 300 km nördlich des Polarkreises. Hier ist er seitdem als freier Journalist in Wort und Bild für deutsche und schweizerische Medien tätig. Immer wieder zog es ihn auf Forschungs- und Kreuzfahrtschiffen sowohl in die Antarktis als auch die Arktis. Sein besonders Interesse gilt dem Nordlicht sowie arktischen Vögeln.

Im Mittelpunkt des digitalen Vortrages stehen die Sterntaucher. Die prächtig gezeichneten und ungeheuer scheuen Vögel sind ein Traum für jeden engagierten Naturfotografen. Sie brüten meist an entlegenen Seen tief in den skandinavischen Wäldern und der Tundra. Die Fluchtdistanz beträgt meist mehr als 150 bis 200 m. Umso erstaunlicher ist es, dass sich der etwa gänsegroße Taucher seit Ende der 90er Jahre als Brutvogel auf einem relativ kleinen Süßwassersee mitten in Tromsö niedergelassen hat.

Der Prestvannet-See ist kaum einen halben Quadratkilometer groß und beherbergte in den vergangenen Jahren gleichzeitig bis zu vier Brutpaare. Ein Tarnzelt ist bei der fotografischen Arbeit völlig überflüssig. Gewöhnt an Jogger und Spaziergänger mit Kindern und Hunden kommt der Sterntaucher gelegentlich sogar bis auf fünf Meter ans Ufer heran und lässt sich dort sogar mit leichten Brennweiten formatfüllend ablichten.

Seit 2003 verbringt Hinrich Bäsemann während der Anwesenheit der Sterntaucher praktisch jeden Tag etliche Stunden am Prestvannet. Ende Mai, wenn das letzte Eis verschwunden ist, erscheinen die Vögel. Die lautstarke und action-geladenen Balz ist der erste Höhepunkt der Saison. Mit der Brut wird im Juni begonnen, gelegentlich sogar erst im Juli.

Während der fast vierwöchigen Brutzeit bieten sich hervorragende Gelegenheiten, die übrigen Mitbewohner des Prestvannet zu fotografieren. Regelmäßige Brüter sind Küsten- und Flussseeschwalben, sowie zahlreiche Sturmmöwen. Aber auch Stock- und Reiherenten ziehen ihre Jungen groß. Des Weiteren lassen sich Kampfläufer, Samtente, Heringsmöwe und im vergangenen Sommer auch erstmals die seltene Zwergmöwe beobachten.

Die Sterntaucher ziehen ein bis zwei Junge auf. Die ersten Fische für den Nachwuchs fangen sie im Prestvannet, später fliegen sie die Beute vom nahen Meer ein. Man kann fast zuschauen, wie schnell die Küken wachsen. Spätestens im August sind sie flügge und verlassen den See. So spät in der Saison tauchen außer den Brutpaaren auch noch andere Sterntaucher auf, meist wohl noch allein lebende Jungvögel oder Paare, deren Brut eventuell fehlgeschlagen ist. Bis zu 20 Sterntaucher sind gleichzeitig auf dem Prestvannet gesehen worden. Dabei kommt es immer wieder zu heftigen Auseinandersetzungen, manchmal sogar mit körperlichen Angriffen.

Die Saison am Prestvannet ist aber nicht vorbei, wenn die Sterntaucher in den Süden abgezogen sind. Ende August werden in Tromsö die Nächte so dunkel, dass man in klaren Nächten die faszinierenden Nordlichter beobachten kann. Hinrich Bäsemann fotografiert sie seit nunmehr gut dreißig Jahren. Er verbrachte ungezählte Stunden in wolkenlosen Nächten in oftmals klirrender Kälte. Als fotografisches Ergebnis ergeben sich mehrere Nordlichtkalender, wie etliche Ausstellungen in Norwegen, Finnland und Deutschland. Geht im Frühjahr die Nordlichtsais zu Ende, stellen sich auch bald wieder die ersten Sterntaucher ein und eine neue Brutsaison am wohl besten Sterntauchersee der Welt beginnt.

www.polarfoto.com

 
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