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Samstag, 12. Mai: 13.00 - 13.30 Uhr

 

Eberhard "Dino" Frey (Powerpoint-Vortrag)

Drachen der Lüfte

 

Eberhard Frey, genannt „Dino“, wurde 1953 in Ulm an der Donau geboren. Von 1975 bis 1989 studierte er Biologie, Geologie und Humanantomie und setzte sich in Diplomarbeit und Dissertation mit der Anatomie und der Funktionsweise des Bewegungsapparates von Krokodilen auseinander. Die Biomechanik von Wirbeltieren waren auch Schwerpunkte in diversen Projekten der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Seit 1990 arbeitet er am Staatlichen Museum für Naturkunde in Karlsruhe, wo er seit 2003 die geowissen- schaftliche Abteilung leitet. Im selben Jahr erhielt er die Lehrberechtigung und ist seit dem Privatdozent für Paläontologie an der Universität Tübingen. Nach Forschungsaufenthalten in Brasilien, Jordanien, Chile, Malawi und Israel begleitet Dino Frey seit 2000 regelmäßig Expeditionen nach Nordostmexiko, wo er an Forschungen über die Zusammensetzung und Entwicklung kreidezeitlicher Ökosysteme maßgeblich beteiligt ist.

Schon als Kind war Dino Frey von allem fasziniert, was sich durch die Luft bewegt: Insekten, Vögel, Flugzeuge, insbesondere aber die fliegenden Saurier. Diesen Flugsauriern, wissenschaftlich auch Pterosaurier genannt, ist auch der Vortrag gewidmet. Trotz der Arbeit mit fossilen Tieren ist Dino Frey Biologe geblieben. Für ihn sind Fossilien die Überreste einstmals lebendiger Wesen. Sein Ziel ist es, sie wieder zum Leben zu erwecken.

Flugsaurier sind nach den Insekten die ältesten bekannten Lebewesen, die sich durch Flügelschläge angetrieben durch die Lüfte bewegen. Sie tauchen vor 220 Mio. Jahren in der Obertriaszeit auf und verschwinden zusammen mit den meisten Dinosauriern mit dem Ende der Oberkreidezeit von 60 Mio. Jah- ren. Ihr Ursprung liegt im Dunkel der Erdgeschichte. Es sind weder Vogelver- wandte noch fliegende Dinosaurier, sondern eine eingeständige Tiergruppe.

Der erste Mensch, der ein Flugsaurierfossil sah, war der Florentiner Cosimo Alessandro Collini, dem damaligen Kurator am Mannheimer Naturalienkabinett. Er veröffentliche 1784 eine Radierung, konnte das Tier aber nicht zuordnen. 1806 erkannte der Pariser Anatom Georges Cuvier den Reptiliencharakter der sonderbaren Flugwesen und nannte das Tier wegen seinen langen Flugfingers „Pterodactyle“.

Im Laufe ihrer langen Geschichte haben die Flugsaurier wohl mit die skurrilsten Tierformen aller Zeiten hervorgebracht. Ihre Kiefer waren bestückt mit scharfen Dolchzähnen, haarfeinen Siebgebissen oder hornigen Schnäbeln. Einige waren spatzengroß, andere erreichten mit 14 Metern die Spannweite eines Segelflugzeugs. Alle Knochen waren mit Luft gefüllt und daher extrem leicht. Der Körper war zottig behaart. Auf ledernen Schwingen umkreisten sie die Häupter der Dinosaurier unter der sengenden Sonne des Erdmittelalters, wahre Drachen der Lüfte. Ihre Flughäute bestanden aus fünf fossil überlieferten Schichten. Die Oberhaut war dünn und von feinen Fältchen bedeckt, die wie Kühlrippen wirkten. Darunter isolierte eine Lage aus Luft gefülltem schaumigem Gewebe gegen die Gluthitze der Sonne und sorgte gleichzeitig für Stabilität, die von einer darunter liegenden Fasermatte verstärkt wurde. Muskelfasern auf der Unterseite der Faserschicht konnten die Flughaut krümmen und so den Flugbedingungen anpassen. Erschlafften die Muskeln, stellte sich automatisch ein normales Flügelprofil ein. Die Sonnen abgewandte Seite der Flughäute war durchzogen von einem dichten Netz von Blutbahnen, das zusätzlich für Kühlung sorgte. Die wärmenden Strahlen der Sonne waren aber auch nutzbar. Mit Hilfe der Blutzirkulation wurde Wärme aufgenommen und maßvoll in den Körper geleitet. Flugsaurier flogen also mit Sonnenenergie! Es sind die ältesten Solarsegler der Erdgeschichte! Tagsüber tankten sie Sonne mit ihren Flügeln. Nachts wurden die Blut-Wärmetauscher heruntergeregelt und der haarig isolierte Körper produzierte seine Wärme durch Muskelarbeit. Besonders die fliegenden Saurier waren im Gegensatz zu den Vögeln vom Sonnenlicht abhängig. Mit dem Ende der Kreidezeit verän- derte sich das Klima durch Vulkanausbrüche und Meteoriteneinschläge. Die Kontinente brachen auseinander und kalte Polarströmungen drangen in äqua- toriale Zonen vor. Damit war das Ende der Flugsaurier besiegelt. Zusammen mit den großen Dinosauriern verschwanden die vom Schauplatz des Lebens und überließen das Luftmeer den fliegenden Dinosauriern, den Vögeln.

In seiner Powerpointpräsentation stellt Dino Frey die faszinierende Welt der fliegenden Saurier vor, ein Exkurs, in dem Geschichtliches und Neues aus der vordersten Front der Flugsaurierforschung gezeigt werden. 60 Mio. Jahre nach ihrem Verschwinden haben die Geschichten, welche die versteinerten Reste der filigranen Urzeitflieger erzählen, Flugzeugingenieure und Aerodynamiker dazu angeregt, über neue Flugmaschinen nachzudenken. Es naht die Zeit der Wiedergeburt. Wenn der erste mechanische Flugsaurier flügelschlagend die Luft durchschneidet, haben wir den Flug der Drachen der Lüfte wirklich verstanden.

www.Eberhard Frey

 
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