Fritz Pölking Award Winner
Leo Seidel, Deutschland
Stille Begegnung am Stadtrand
Rehe
Berlin, Deutschland
Am 18. Dezember war in Berlin traumhaftes Winterwetter. Alles in Weiß und die Sonne schien. Leo wollte raus in die Natur und mit seiner Freundin einen langen Spaziergang machen; die Kamera war wie immer dabei. An der Stadtgrenze hing Nebel über den Feldern und sie haben sich entschlossen nicht weiter zu fahren, sondern direkt die Ackerwege lang zu gehen und in den Nebel einzutauchen. Zum Sonnenuntergang kamen die Rehe und Leo hat sich ihnen auf dem Feld genähert. Er hatte eine Serie von 7 Bildern gemacht bis die Komposition genau stimmte auch die Aufreihung und das zarte Abendrot die Baumallee anstrahlte. Besonders war das Licht und Stille vor Ort und die Anmut der Tiere.
Nikon D3X, 4,5-5,6/70-300mm
Aufnahme bei 300mm, ISO 200, f 9, 1/800 sec.
Leo Seidel (Jg. 1977) absolvierte 1999-2002 eine Ausbildung zum Fotodesigner am Lette-Verein Berlin. Seit 2002 lebt und arbeitet er als freischaffender Fotodesigner in Berlin und ist für Verlage und Agenturen weltweit tätig. Meistens fotografiert er dabei mit einer digitalen Spiegelreflexkamera, aber sein Herz gehört dem Mittelformat und der Plattenkamera, mit der er sich auf Landschafts- und Architekturfotografie spezialisiert hat. Vor allem die Nachtfotografie hat es ihm angetan.
Im Juni 2005 erschien sein stimmungsvoller Bildband "Berlin - Die Farben der Nacht". Zwei Jahre später folgte das Buch "Preußens Glanz", ein Bildband über die Königsschlösser in Berlin und Brandenburg. Neben vielen weiteren Auftragsarbeiten für diverse Buchpublikationen, hat er auch einige Bildstrecken zu den Küsten Europas, oft als Langzeitbelichtungen am Tag analog im Mittelformat oder der Plattenkamera aufgenommen, veröffentlicht.
www.leoseidel.de
Begründung von Gisela Pölking
Mit meiner Wahl des Siegerbildes des Fritz Pölking-Awards bin ich dieses Jahr in der Heimat geblieben. Mich fasziniert an diesem Bild die mystisch Stimmung und die Ruhe der innehaltenden Rehe, die die Umgebung sichern. Trotzdem strahlen die Rehe durch die Körper- und Kopfhaltung eine unglaubliche Dynamik aus.
Die filigranen Bäume im Hintergrund, die durch den Nebel am Boden märchenhaft wirken, fangen den Blick auf und lassen ihn wieder zu den Rehen zurück gleiten. Der Fotograf fühlt sich in diesem Moment von den Tieren beobachtet und erwartet, dass sich die Rehe jeden Moment in Bewegung setzen. Dieser Moment des Abwartens überträgt sich unweigerlich auf den Betrachter des Bildes.
Es ist für mich ein Bild, das ich mir immer wieder anschauen und daraus Ruhe schöpfen kann, gleichfalls gibt es mir Kraft, diese Ruhe tief zu empfinden.
|