„Tiere sind die besseren Menschen“, über den Wahrheitsgehalt dieser Aussage kann man streiten. Tiere sind aber auf keinen Fall die besseren Fotomodelle. Viele von ihnen haben nämlich überhaupt kein Interesse daran, sich fotografieren zu lassen und ergreifen bei Ansicht eines Fotografen oder beim Geräusch eines Kameraauslösers sofort die Flucht. Und wem fällt diese Flucht leichter als den Vögeln, die einfach nur in die Lüfte entfliegen müssen. Für die gelungene Vogelfotografie ist also Einfallsreichtum gefragt.

Joachim Griesinger, Jahrgang 1955, ist Diplom-Biologe und Reiseveranstalter. Er war Mitarbeiter an wissenschaftlichen Projekten an der Universität Heidelberg und befasste sich während einer langjährigen Forschungstätigkeit mit dem Verhalten von Gänsegeiern. Dabei entstand bei ihm vollends die Begeisterung für die Tier- und speziell die Vogelfotografie.
Das Bemühen, so wenig Spuren wie möglich in der Natur zu hinterlassen, dokumentiert sich in seiner Mitgliedschaft im Bundesverband „forum anders reisen”. Für ihn ist das Rezept für einen guten Naturfotografen die Kombination von verhaltensbiologischem Wissen, Hartnäckigkeit und fotografischer Technik. Erst dann gelingen aussagekräftige Bilder. Joachim Griesinger arbeitet dabei auch gerne aus Tarnverstecken heraus, um ungestörte Verhaltensweisen der Tiere zu fotografieren.
Für Vogelaufnahmen ist ein Versteck meistens unentbehrlich, will man nicht auf eine automatische Lichtschranke zurückgreifen. Egal ob aus einem einfachen Versteck, dem Tarnzelt oder sogar einer festen Ansitzhütte fotografiert wird, gewisse Verhaltensmaßnahmen dem Vogel gegenüber und praktische Anforderungen an Platz und Einrichtung sind immer gleich. Und für den Erfolg entscheidend sind auch profunde Kenntnisse von Lebensraum und arttypischem Verhalten des Vogels. Vor allem aber ist viel Geduld gefragt beim vielleicht stundenlangen Ansitzen.

Für viele Naturfotografen gehört aber gerade das stundenlange Ansitzen zu den schönsten Arbeitsweisen in der Naturfotografie. Diese Phase des Wartens ist dabei durchaus vergleichbar mit dem Angeln, denn, allein mit sich und der Natur, lässt es sich herrlich abschalten und entspannen. Die Entspannung ändert sich schlagartig in Anspannung, wenn plötzlich der gewünschte Vogel vor dem Versteck auftaucht.
Doch nur wer die richtigen Ratschläge zur Ansitzfotografie von Vögeln kennt, kommt überhaupt erst in den Genuss, das Motiv vor sein Objektiv zu bekommen. Und dann gilt es auch noch sich richtig zu verhalten, ohne den Vogel beim ersten Aufnahmeversuch zu verjagen und wieder nur von weitem zu sehen.